Die sprechende Zunft.

Gesa Gröning aus Düsseldorf und Christoph Ziegler unterhalten sich über Journalismus und Trends im Marketing.

Vor und hinter den Kulissen.

Christoph Ziegler: Gesa Gröning lernte ich in Berlin bei einer Netzwerk-Veranstaltung für die Immobilienwirtschaft meines ehemaligen Arbeitgebers kennen. Sie war dort unsere „Journalismus-Dienstleisterin“ für Bewegtbild. Wir verloren uns im Anschluss nicht aus den Augen – und als Gesa nach Düsseldorf zog, haben wir unsere Beziehung intensiviert. Mittlerweile arbeiten wir hinter den Kulissen eng zusammen im Marketing und in der Akquise.

R+T 2018 Fachpressekonferenz

Gesa Gröning: Wir waren ja damals sehr früh im Bewegtbild-Genre unterwegs. Ich habe für mich erkannt, dass ist genau das, was ich machen möchte. Zum einen kann ich gut mit Stimme und Stimmungen umgehen. Und ich blicke gerne hinter die Fassaden und schaffe eine Art Dokumentation für die digitale Ewigkeit.

Christoph: Wann hast Du Dich denn selbstständig gemacht?

Gesa: Gefühlt war ich das schon immer. Und daher war die Journalisten- und Moderations-Ausbildung nach dem Abitur die erste Berufswahl. Bis heute habe ich das nicht bereut. Ich habe früh neben dem Videodreh auch im Radio als Sprecherin gearbeitet. Alles in allem spannend und sehr vielseitig.

Du bist ja jetzt im sechsten Jahr Deiner Selbstständigkeit. Wie wichtig ist denn aus Deiner Sicht der richtige Zeitpunkt, um etwas Neues zu wagen?

Christoph: Nun, manchmal ist es der innere Antrieb, manchmal ein externer Faktor. Bei mir war es letzterer. Meine Befristung im Öffentlichen Dienst lief aus, ein wirkliches Intermezzo im Anschluss – bei dem alle Parteien mehr als unzufrieden waren – drängte mich dann in die Selbstständigkeit. Ich nenne es meine vorgezogene Midlife Crisis. Und aus dieser Krise bin ich ziemlich zufrieden geworden.

Komfortzone versus Trend

Als Selbstständiger wage ich permanent etwas Neues. Muss ich ja auch. Die Komfortzone ist gefährlich und lässt einen – also mich natürlich eingeschlossen – faul werden. Daher reserviere ich mir in regelmäßigen Abständen Zeit für Neues. Sei es für Fortbildung, Webinare, Bücher, Barcamps und Netzwerktreffen.

Gesa: Dein Thema „Social Media“ – da denke ich, ständig alles neu, immer wieder anders. Wie konsequent muss man sein, um hier immer uptodate zu bleiben? Ist das überhaupt machbar? Wie konsequent bist Du in Bezug auf Social Media und generell?

Christoph: Für mich ist diese Abwechslung super. Ich bin kreativ und liebe Neues einfach. Mittlerweile habe ich mich von dem Gedanken befreit, an allen Fronten uptodate sein zu müssen.
Es gibt so viel Wissen, so viele Einstellungen und Neuigkeiten, dass wir gar nicht auf dem immer aktuellsten Stand sein können. Und daher beflügelt es mich, wenn ich eine Frage gestellt bekomme, die ich ad-hoc nicht beantworten kann. Denn dann recherchiere ich. Aktualisiere mein Wissen. Und meine Powerpoint-Folien.

Konsequent bin ich insofern Schritt für Schritt. Im beruflichen und persönlichen Umfeld achte ich darauf, dass Kommentare wie „Ach, dass wusstest Du noch nicht…?!“ mich nicht einschüchtern. Früher hat es das. Heute bin ich gelassen und antworte dann einfach: „Dafür weiß ich andere Sachen.“

Und zwischendurch bemerke und entdecke ich andere Trends. Wie gehst Du denn mit Trends um?

Gesa: Ich habe den Eindruck, dass jedes Jahr ein neuer Trend ausgerufen wird. Der in Wirklichkeit aber gar kein Trend ist, sondern schon immer da war. Ob in der Mode oder im Marketing. Ich persönlich reagiere schon fast allergisch bei dem Wort „Trend“ 🙂 Ich stelle immer wieder fest, dass jeder Trend, der im Marketing landet, seinen Ursprung im Journalismus hat.

Trends kommen aus dem Journalismus!

Wenn ich überlege, dass so ziemlich das Erste, was ich in meiner Journalisten- und Moderations-Ausbildung gelernt habe ist, dass wir Geschichten erzählen und gute Inhalte liefern müssen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, muss ich lachen, wenn Content-Marketing als Trend gilt (oder galt) oder auch bei dem Thema Bewegtbild. Dass sich mit dem Medium am meisten an Informationen und Emotionen vermitteln lässt, weil so viele Sinne angesprochen werden, ist nicht neu.

Wie siehst Du das? Welche Rolle spielen Trends in sozialen Netzwerken? Warum brauchen Menschen Trends?

Christoph: Geschichten lieben wir doch irgendwie alle. Wenn Sie fesselnd sind, Sinn stiften und Unverständliches verständlich machen. Da ist das Neueste wohl Storytelling. Obwohl ich diesen Begriff schon sehr mag.

Das, was dahinter steht, finde ich dann manchmal sehr anstrengend. Schließlich kommen die „lauten Marketer“ irgendwie dahinter und daher, und möchten wieder alles auf neu drillen. Gut, zwischendurch tut ein neuer Anstrich gut.

Ich schaue in meiner Arbeit immer auf das, was schon da ist – und dann entwickle ich weiter. Das kann eine Geschichte, ein Trend oder auch einfach nur Transparenz sein. Denn was für jeden einzelnen von uns selbstverständlich ist, ist für das Gegenüber spannend, erhellend, unterhaltsam. Oder was auch immer.

Gesa: Haben viele Deiner Kunden denn immer noch Angst vor Social Media?

Christoph: Ein ganz klares Ja. Vorhin habe ich die Komfortzone erwähnt. Alles, was darin passiert, ist easy. Das Ungewisse außerhalb macht uns ängstlich, denn wir wissen ja nicht, was passieren wird. Diese Angst nehme ich meinen Kunden.

Mit einer ganz eigenen Geschwindigkeit, dem nötigen Einfühlungsvermögen und einer ordentlichen Portion Humor. Die größte Angst ist häufig, sich zum Affen zu machen und blöd da zu stehen. Ich finde das ganz normal, denn mir ging das damals auch so.

Mit der Online-Sichtbarkeit umzugehen, ist ein Stück weit Offenbarung – natürlich – aber es gehört einfach zum Business dazu. Wie ist denn Dein Aufgabengebiet gewachsen? Was hat sich für Dich verändert?

Gesa: Bei mir ist es beratungsintensiver geworden. Pauschale Fragen wie „Was kostet ein Video“ oder „Was kostet eine Moderation“ sind weniger geworden. Informationen werden mehr geliefert, aber dennoch sind Zweck und Ziel bei den Anfragen oft nicht ganz klar.

Es ist klar, dass etwas benötigt wird. Aber warum und wozu und welche Erwartungen an mich gestellt werden, gibt es bei der Anfrage noch nicht.

Angst oder Respekt vor Social Media?

Was rätst Du mir als Moderatorin und Journalistin für Videos? Wovor sollte ich Angst oder Respekt haben im Social Web? Und was sind Trends – wieder dieses schlimme Wort –, die ich nicht verschlafen darf? Kurzum, wie halte ich mich digital fit?

Christoph: Also. Ein Trend bei Webseiten und in Social Media sind ganz klar mehr Bilder und mehr Videos.

Und für die sozialen Netzwerke gibt es dort ja die Todeszonen der Autoplay-Videos. Bei YouTube und bei Facebook entscheiden

  • die ersten Sekunden,

  • das Startbild und

  • die Wiedererkennbarkeit.

Was mir „Angst“ macht, ist der Journalismus, der in meinen Augen immer reißerischer wird. Ich mag keine roten Balken, Effekthascherei mit wilden Schlagzeilen. In den letzten Jahren schaue ich ganz bewusst mehr Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Der erste Blick im Netz geht immer ins Impressum.
Ich bemerke bei vielen Kolleginnen und Kollegen, dass das Wissen – und damit die Beratung immer umfassender wird. Und auch werden muss. Wobei ich das gerne in Frage stelle. Ganz im Sinne einer Spezialisierung.

Deine Frage nach der digitalen Fitness finde ich spannend. Ich würde sagen: einfach Augen offenhalten, offen sein – und bleiben.

Gesa: Okay, und welchen Ballast neben überschüssigen Kilos von der Winterzeit sollte man im digitalen Sinne los werden?

Christoph: Das neue Jahr startet bei vielen mit guten Vorsätzen. Mir geht es da nicht anders. Ich schaue jedoch von Quartal zu Quartal. Die Kilos, die ich nicht mehr brauche, kann ich gut umschreiben mit „Ich muss“.

Manche Sachen erledigen sich ganz von alleine. Die Dinge auf der to do Liste, die immer mitgeschleift werden, sind in aller Regel unwichtig. So gehe ich damit um.

In diesem Sinne: Alles Gute und bis bald,
Christoph

(Bildquelle: Alexas_Fotos via pixabay, CC0, no changes – keine Änderungen)

About the Author

J. Christoph Ziegler ist Social Media Stratege und der Kopf bei kumulus ® – besonnen, auf Augenhöhe und immer wohlwollend kritisch. Sein Credo? Offline-Business online beleben! Hier im kumulus-Blog liefert er Impulse zum Start in Social Media und gibt zwischendurch kurze und knackige Tipps für soziale Netzwerke und eine gelungene Kommunikation.

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