In diesem Artikel möchte ich Dir darlegen, wie Du Dich selbst in mentaler Stärke trainieren kannst. Und was Sicherheit psychologisch und mental bedeutet. Denn eigenes Vertrauen aufzubauen, um Dich in Sicherheit wiegen zu können – all das scheint mir gerade sehr wichtig. Jedenfalls wird das im Coaching oft an mich herangetragen.

Sicherlich ist das nichts Neues, wenn ich Dir von der heutigen Zeit als Zeit der überlappenden Krisen erzähle. Irgendwie scheint die Welt irgendwo immer einen Krisenherd bereit zu halten. Mehr oder weniger betrifft diese Situation Dich und Dein Leben. Du merkst das in Form Deiner Gedanken und in den Gesprächen, die Du führst.

Spätestens seit der Pandemie zu Beginn der 2020-er Jahre ist das Phänomen ganz offensichtlich. Plötzlich schien es monate-, gar jahrelang nur ein Thema in den Medien zu geben. Für mich war das die Zeit, in und ab der sich viel zu sortieren begann. Beziehungen, Freizeiten, Ausrichtung eingeschlossen. Auch ich betrachte Menschen seit der Zeit anders, oft bewerte ich viel schneller oder werde oberflächlicher im Austausch.

Jedenfalls dann, wenn ich merke, dass grundsätzliche Werte unvereinbar mit den meinen sind. Kennst Du das auch?

In diesem Artikel möchte ich auf den Unterschied zwischen Menschen, die Krisen fürchten, und denen, die sie meistern, eingehen.

Der Moment, in dem alles wackelt.

Manchmal ereilt Dich eine Nachricht, wirft Dich aus der Bahn – und nichts ist wie vorher. Buchstäblich. Meine These: Dein Ur-Vertrauen ist der unsichtbare Anker, der entscheidet, ob wir in Krisen untergehen. Oder eben gestärkt daraus hervorgehen.

Frage an Dich als Leser:in…

  • Wo spürst Du gerade Unsicherheit – und was hält Dich wirklich?

Behalte diese Situation Dir gut vor Augen und richte Deine Gedanken auf dieses eine Beispiel, während Du diese Zeilen liest. Denn ich möchte Dich hier auf zwei grundverschiedene gegensätzliche Typen hinweisen.

Biste bereit?

Klare Sache, dieser Kontrast. Schwarz oder weiß, kein grau. Kurz heruntergebrochen.

Typ 1: Die Krisenfürchter – Kontrolle, Angst, Lähmung bestimmen das eigene Verhalten. So eine Person verliert sich im Mikromanagement, Entscheidungsunfähigkeit und Isolation. Und dann gibt’s noch…

Typ 2: Die Krisenmeister – mit Vertrauen in sich und andere und Prozesse. Selbstläufer wie Handlungsfähigkeit am offenen Büffet der Möglichkeiten, hohe Resilienz, die sich in Zuversicht und Optimismus niederschlagen. Sachen abzugeben oder zu delegieren, sich auf das Netzwerk zu verlassen und die Bereitschaft, Neues zu lernen, sind hier an der Tagesordnung.

Wo findest Du Dich wieder? An welchem der beiden Pole, wenn Du ganz ehrlich zu Dir selber bist?

Zahlen, Daten, Fakten zu Vertrauen

Eine Studie der American Psychological Association (APA, 2020) fand heraus, dass Menschen mit starker psychologischer Resilienz (für die Vertrauen ein zentraler Faktor ist) sich bis zu 40 % schneller von belastenden Ereignissen erholen als Menschen mit geringer Resilienz. Diese Road to Resilience als allgemeinen Überblick findest Du hier.

Menschen mit hohem Vertrauen erholen sich einfach schneller von Rückschlägen. Gehörst Du zu denen, mit hohem Vertrauen in die eigene Wirksamkeit und Resilienz? Hervorragend, dann kommst Du schneller aus Krisen heraus. Dann erfüllst Du die Forschung von Albert Bandura zur Selbstwirksamkeitstheorie, die zeigt, dass Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten direkt mit Stressresistenz und Erholungsfähigkeit korreliert.

Sowas hast Du im Prinzip geahnt. Ich halte mir das immer wieder vor Augen, sobald ich bei mir Schwarz-Weiß-Denke bemerke – und sehr schnell in der Bewertung oder im Urteil bin. Ich stelle derlei Gedanken auf dem Parkplatz für schlechte Gedanken ab.

Vertrauen als Anker: die drei Säulen der mentalen Sicherheit.

Ach Du heilige Dreifaltigkeit. Du kannst ja nicht mal bis Drei zählen. Alles Phrasen. Aber… Warum die Zahl 3 sich prima eignet, ist, dass Du komplexe Sachen und Prozesse für Dich anschaulich und reduziert herunterbrechen kannst. Los geht’s.

Säule 1: Vertrauen in Dich selbst.

In meiner Blogartikel-Serie „Ich, Du, Wir“ habe ich im ersten Part die Selbstwirksamkeit, Intuition, Akzeptanz von Unsicherheit bei Dir selbst unter die Lupe genommen. Zentraler Aspekt Deines Tuns bist Du. Im Prinzip hast Du alle nötigen Ressourcen zur Lösung bereits in Dir.

Oft genug wissen wir nur nicht um diesen eigentlichen Schatz, um unsere Potenziale. Im Gegenteil, die Anderen können das doch „immer alles“ so gut, wuppen alles mit Leichtigkeit, nur bei mir klappt das nicht. Kommt Dir das bekannt vor?

Aus meiner Warte braucht es dafür lediglich Zeiten für unabgelenkte Reflexion. Wie das geht, erfährst Du im Refugium-Artikel. Ich lehne mich weit aus dem Fenster und traue mich sogar, Dir das zu garantieren.

Säule 2: Vertrauen in andere.

Nach Dir (und diesem gesunden Egoismus) kommen andere ins Spiel. Das Stichwort ist Vertrauensvorschuss. In einer Beziehung gibt es immer ein Gegenüber.

Im Business kannst Du auf Netzwerke, Unterstützung, gemeinsame Lösungen vertrauen. Ist das alles noch nicht da, baue das behutsam auf. Die Zeit wird Dir Recht geben. Mit Ungeduld kommst Du definitiv nicht voran.

Wenn Du „Ich muss“ oder „Du musst“ denkst, merkt das Dein Umfeld. Vertrauen wird subtil stets mitgeliefert, bei allem, was Du tust oder sagst. Oder eben auch nicht. Echtes Vertrauen in andere stärkt wiederum auch Dich.

Säule 3: Vertrauen in den Prozess.

Last but not least: das Ungewisse. Das Urvertrauen in das, was Du final nicht wirklich beeinflussen kannst. Als ich vor Jahr und Tag eine meiner wichtigsten Weiterbildungen absolvierte, verinnerlichte ich „Trust the Process“. Ich überließ mich dem Prozess.

So glaubte ich an die eigene Entwicklung, die ganz automatisch stattfinden würde. Vertrauen in den Prozess bedeutet gleichwohl, aus Krisen lernen zu können und eine Langfristperspektive zu entwickeln.

Vor meinem inneren Auge wählte ich eine Metapher. Diesen Anker, ha! Wortwitz!, kann ich immer abrufen und auslösen. Dieser Anker stabilisiert mich in unsicheren Momenten. Meinen Safe Space habe ich immer dabei. Hast Du solch einen Ort, einen Gedanken, eine Sicherheit für den Moment, in dem bei Dir alles wackelt?

Sei Dein:e Krisenmeister:in!

Der Unterschied im Detail: was die Krisenmeister anders machen.

Wir alle agieren Gott gegeben in unseren Handlungsmustern. Schließlich sind und werden wir von Kindesbeinen an geprägt. Wir laufen irgendwie auf Autopilot. Kommt eine Krise, ist das nicht anders. Unser autonomes Nervensystem weiß längst Bescheid und agiert selbstständig, bevor Du das kognitiv überhaupt erfassen kannst.

Gib diesem Raum zwischen Reiz und Reaktion Zeit. Das ist die Kunst. Und ja, das kannst Du trainieren. Ich möchte auf die zwei Typen von oben eingehen.

Krisenfürchter: „Was, wenn…?“

Entdeckst Du Verhaltensweisen wie Grübeln, Vermeidungsstrategien oder Energieverlust an Dir? Okay, dann läufst Du Gefahr, ängstlich, skeptisch, bedenkenträgermäßig durch die Welt zu laufen. Das kannst Du schon so machen, hilft nur nicht.

Ich weiß, Plattitüde. Als Coach blicke ich hingegen weit lieber auf die Stärken, auf die Ressourcen und leite an für einen neuen Umgang mit herausfordernden, problematischen Situationen. Daher: Denke wie ein…

Krisenmeister: „Wie kann ich…?“

Nicht allen ist das immer gegeben. Auch mir nicht. Wichtigster Schritt aus meiner Warte ist der erste. Das Wahrnehmen, dass gerade etwas doof ist, dass sich eine Krise anbahnt, das Handlungsunfähigkeit droht.

Aus einem temporären Mangel heraus den Fokus auf Lösungen zu legen – das darf auch unkonventionelle Lösungen beinhalten. Utopien sind dazu bestens geeignet, seien sie auch noch so unrealistisch.

Psychologisch entfernen wir uns damit von einem Problem. Und sind im Krisenmeister-Modus. So gelingt es, Vertrauen in Ressourcen zu stärken, zu agieren – statt wie das Kaninchen vor der Schlange zu verharren.

Praktische Werkzeuge: So baust Du Deinen Vertrauens-Anker.

Ich möchte Dir aus meinem Koffer ein paar nützliche Werkzeuge an die Hand geben. Sie sind so einfach, dass Du diese als Selbstcoaching-Tools bei Dir selber anwenden kannst.

Übung 1: das Vertrauens-Tagebuch

  • Wann hast Du heute Vertrauen gespürt – und wem oder was gegenüber? Selbsterklärend, so ein tägliches kurzes knackiges Journalling. Dafür habe und nutze ich beispielsweise mein 3-Jahres-Buch.

Übung 2: die Handlungsfragen

  • Formuliere Deine Ängste in Handlungsfragen um. Was kann ich JETZT tun? So vermeidest Du die „Was-wäre-wenn“-Falle. Es geht hier um den allerersten Schritt aus der unangenehmen Situation heraus.

Übung 3: das Vertrauens-Netzwerk

  • Vereinbare einen (Dauer-) Termin für Dich, gehe regelmäßig in Klausur mit Dir selbst. Beantworte Dir als Routine die Frage „Wem vertraue ich – und wie zeige ich das?“

Ehrensache, dass das kleine Routinen und Rituale sein können. Du ahnst, ich bin ein Rituale-Typ. Aber: Auch bei mir ändern sich Inhalte dieser Rituale und Routinen. Ich mag eben auch die Abwechslung.

Vertrauen ist kein Zufall – es ist auch (D)eine Entscheidung!

Ich möchte kein Fazit anbieten, sondern lieber eine Zusammenfassung: Ein Anker hält nicht von allein – Du musst und kannst ihn bewusst auswerfen.

Die nächste Krise kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Frage bleibt: Wirst Du sie fürchten – oder meistern?

Mache Dir die letzte Situation bewusst, in der Du Vertrauen statt Kontrolle gewählt hast. Bei mir war das übrigens ein abstraktes „Ich kann das.“ – und ich habe weniger Postings in Social Media abgesetzt.

Ja, ich, weniger Social Media. Dafür mehr Klarheit und innere Ruhe. Coole Reise. Mit Evergreens, die zünden. Denk‘ mal drüber nach.

In diesem Sinne: Herzliche Grüße aus dem Bergischen Land,
Dein Christoph Ziegler
Moderation | Beratung | Coaching

(Photocredit: pixpack via depositphotos)

About the Author

J. Christoph Ziegler ist Social Media Stratege und der Kopf bei kumulus ® – besonnen, auf Augenhöhe und immer wohlwollend kritisch. Sein Credo? Offline-Business online beleben! Hier im kumulus-Blog liefert er Impulse zum Start in Social Media und gibt zwischendurch kurze und knackige Tipps für soziale Netzwerke und eine gelungene Kommunikation.

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